Was den Flag Football der Troisdorf ]ets ausmacht
Mit ihren Flag-Football-Mannschaften bringen die Troisdorf Jets eine dynamische Sportart in die Region. Wie der Sport funktioniert und was ihn so besonders macht.
Zwischen orangefarbenen Pylonen sprinten die Spieler über den Rasen – wendig und fokussiert –, bis Angreifer und Verteidiger sich gegenüberstehen. Kein harter Zusammenprall, kein Tackling – stattdessen entscheidet ein gezielter Griff zur am Gürtel befestigten „Flag“ darüber, ob Punkte erzielt werden oder nicht. Was die Troisdorf Jets hier trainieren, nennt sich Flag Football. Es ist eine Version des American Footballs, die sich auch in der Region wachsender Beliebtheit erfreut.
„Gespielt wird nach ähnlichen Regeln wie beim klassischen Football, aber ohne Körperkontakt“, erklärt Nicole Sünner, Teammanagerin der Junioren-Mannschaft, das Prinzip. Die Grundzüge des Spiels bleiben gleich: Die sich im Angriff befindenden Spieler versuchen, den eiförmigen Ball möglichst bis in die Endzone zum Touchdown zu tragen. Die Verteidiger wiederum versuchen, dem ballführenden Spieler eine der sogenannten Flags vom Gürtel zu ziehen. Gelingt dies, wird das Spiel gestoppt.
Football ohne Körperkontakt
Das Flaggenziehen ist somit in etwa dem Körperkontakt des American Footballs gleichzusetzen. „Das macht das Spiel dynamisch, athletisch und schnell“, sagt Sünner. Gerade dadurch sei Flag Football für alle Kinder geeignet. Während im klassischen American Football das Umrennen des Gegners trainiert werde, stünde bei den Nachwuchsspielern der Troisdorf Jets das Ausweichen und somit die Wendigkeit im Mittelpunkt. Gefordert seien oftmals nur kurze Strecken, die gelaufen werden müssen – dafür aber mit hohem Tempo und präzisen Bewegungen.
Auch Trainer Kevin Klein hebt die niedrigen Spielvoraussetzungen hervor. „Das Besondere ist, dass es fast keine Einstiegsgrenzen gibt. Im Endeffekt braucht man nur die Flaggen und einen Ball“, sagt er. Eine Schutzausrüstung mit Helm wie beim American Football ist nicht nötig. Spieler brauchen nur Sportklamotten und gegebenenfalls einen Mundschutz.
Weiterhin spielt das Alter laut Klein kaum eine Rolle – entscheidend sei vor allem die Athletik. Flag Football ist deshalb eine Mixed-Sportart: Frauen und Männer stehen gemeinsam auf dem Feld – nicht nur bei den Flag Jets aus Troisdorf. „Dadurch entsteht ein ganz anderer Teamgeist und das Gemeinschaftsgefühl wird gefördert. Unsere Mädchen sind sehr diszipliniert“, so Sünner.
Dennoch ist Flag Football in der breiten Öffentlichkeit laut Sünner bislang wenig bekannt – vor allem im Jugendbereich. Entsprechend überschaubar ist die Zahl der Vereine in Nordrhein-Westfalen mit eigenen Nachwuchsmannschaften. „Nicht jeder Footballverein hat überhaupt eine Flag-Mannschaft und schon gar keine Jugendmannschaft“, sagt sie. In Troisdorf entstehe derzeit etwas Neues. Da Flag Football als Mixed-Sportart angelegt ist, traue sie dem Spiel großes Potenzial zu. Zusätzlichen Rückenwind für die Sportart erhofft sich Sünner durch die Aufnahme ins olympische Programm der Sommerspiele 2028.
Um weiter zu wachsen, setzen die Troisdorf Jets auf neue Wege der Nachwuchsgewinnung. Geplant sind unter anderem AG-Kooperationen mit Schulen. In erster Linie sind es laut Sünner aber Freunde und Familienmitglieder der bereits bestehenden Mannschaft, die das Team verstärken. Aber auch Jugendliche, die aus dem „Tackle Football“ kommen und eine verletzungs- beziehungsweise schmerzfreiere Variante der Sportart ausprobieren möchten, stoßen dazu. „Gerade beim Wechsel in höhere Altersklassen wird der Sport körperlich anspruchsvoller“, sagt Sünner. Wer sich dann bewusst für die kontaktlose Variante entscheide, sei bei den Jets willkommen und bringe mit seinem fundierten Football-Wissen beste Voraussetzungen mit. Aber auch Interessierte ohne Vorkenntnisse im Football seien jederzeit willkommen.
Troisdorf Jets freuen sich über weiteren Nachwuchs
Ähnlich verlief der Weg auch für Bent, den Quarterback der Mannschaft. Die Liebe zum Football entdeckte der 14-Jährige, wie viele seiner Teamkollegen, zunächst im klassischen American Football. Nach einiger Zeit im „Tackle Football“ wechselte er zur kontaktlosen Variante und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Junioren-Mannschaft. „Flag Football ist in den Spielen deutlich schneller. Das macht mir besonders viel Spaß“, sagt er.
Auch Anna fand über die Familie zum Sport. Durch ihren Bruder lernte sie die Troisdorf Jets kennen, wo sie seit dem vergangenen Sommer Teil des Flag-Teams ist. Besonders schätzt sie das Miteinander und die sportliche Herausforderung: „Ich verstehe mich mit allen gut, werde gefordert und kann sehr viel rennen“, sagt sie.
Für die Zukunft haben die Verantwortlichen bei den Troisdorf Jets klare Ziele. Langfristig wünscht sich Sünner eigenständige Mannschaften in allen Altersklassen – jeweils mit vollständigen Teams. „Für die ganz Jungen fehlen uns aktuell die Trainerkapazitäten“, sagt sie. Das Einzugsgebiet der Spieler reiche aber jetzt auch schon weit über Troisdorf hinaus bis nach Bonn und Köln. „Man stolpert nicht zufällig über diesen Sport“, so Sünner. Umso wichtiger sei es, Flag Football bekannter zu machen und gezielt Nachwuchs zu gewinnen.
Text: Tim Werner - General Anzeiger




